~kyoto.Protokoll~

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"Somewhere over the rainbow Way up high There´s a land that I heard of Once in a lullaby..."

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Re.Kapitulation

Samstag, 26.09.2009; Kyoto, Starbucks Sanjo; 13:56 Ortszeit
Ich hab es fast geahnt. Wäre ja auch zu schön gewesen wenn ich es geschafft hätte wirklich bis zum Ende mit bloggen durchzuhalten. Jetzt sind schon zwei Wochen seit dem letzten Eintrag vergangen und da ich es mit Sicherheit nicht schaffe alles in chronologischer Reihenfolge zu bringen kommt hier nur das Wichtigste:
Ich bin seit dem 21. September (Montag) wieder in Kyoto. Peinlicherweise hab ich wirklich nicht viel gemacht, außer ab und an mal spazierenzugehen. Aber auch dass nur, weil ich es mir nicht verzeihen könnte eine Woche in Kyoto in meinem Appartement verbracht zu haben. Das hätte ich nämlich gemacht wenn ich in Berlin wäre. Mich in meiner Wohnung verkrochen und sie nicht verlassen. Das so eine “akute” Phase ausgerechnet in meiner letzten Woche in Kyoto auftreten muss ist wohl einfach Pech. Ich bereue es jetzt schon, andererseits ist mir bewusst dass ich nicht wirklich etwas dafür kann. Oder doch? Ach ich hab keine Ahnung, das geht jetzt aber definitiv in die falsche Richtung, darum hier die Highlights der letzten zwei Wochen:
Tokyo
Unglaublich aber wahr: wir haben doch noch Shirts für Flo gefunden *begeistert*. Zuerst in einem Laden bei ihm im Viertel und später noch in der “Uni Qlo” Filiale in Shibuya.
Ich hab noch einen Shopping-Tag in Harajuku eingelegt, Flo, tapferer Junge, hat sich bereiterklärt mich zu begleiten. Also zuerst ab ins Closet Child: Nur eine leichte Ausbeute, aber immerhin, eine CD und eine DVD, beide von Sadie. Dann hab ich noch ein Shirt erstanden, überraschend billig in einem meiner geliebten Second Hand Läden. Nachmittags bzw. fast schon gegen Abend ging’s dann ab nach Shinjuku um dort Kat zu treffen (sie ist momentan an der Uni in Tsukuba, das liegt etwas außerhalb von Tokyo).
Shinjuku... Was soll ich sagen... Freunde werden dieser Bezirk und ich bestimmt nie. Außerdem bin ich nach wie vor der festen Überzeugung, dsas der Bahnhof das pure Böse ist. Der Haupteingang zur Hölle quasi. Flo und ich waren etwas früh dran und sind deshalb noch in einen groooooßen Buchladen (NEUN Etagen!!! Jede ungefähr so groß wie die KaDeWe-Etagen) um für mich nach Büchern für den JLPT 2 Test zu suchen. (Das ist der Sprachtest den die meisten Unis und Firmen anerkennen und voraussetzen, so etwas wie der TOEFEL-Test, nur halt für Japanisch.)
Dann sind wir in ein Café am Bahnhof. Der Kaffee war furchtbar teuer, man muss ihm allerdings zu gute halten: es war verdammt guter furchtbar teurer Kaffee. ^^
Dann auf zum East Exit und Kat einfangen. War schön sie wiederzusehen. Hab mich gefreut. Wir haben für sie noch schnell ein Shirt und ein Portmonee gekauft (ging wirklich unglaublich schnell... 10 Minuten...) und sind dann ins nächste Excelsior Café. Meine Lieblings Café-Kette hier in Japan. Wir haben gute zwei Stunden gequatscht und sind dann noch für eine Stunde Karaoke singen gegangen. War lustig. Ich steh ja nicht so auf J-Pop-Boy-Groups wie KAT-TUN oder Kanjani-8, aber zumindest Kanjani-8 Songs sind beim Karaoke superlustig. Außerdem kommt die Band aus KANsai (KANjani8... got it?). Schon deshalb sind sie mir symphatisch. (Kansai ist die Region in der Osaka und Kyoto liegen... MEINE Region... *Kansai-Girl*)
Gegen 20 Uhr hat sich Kat dann verabschiedet, sie musste den Bus nach Shikoku (andere Insel) kriegen, sie fuhr zu einem D=Out Konzert (japanische Visual Kei Band, waren auch schon in Berlin, sind gut).
Flo und ich sind dann auch nach Hause und für mich gab’s noch eine dünne rot-schwarze Übergangsjacke. Ich hatte sie schon am Tag vorher bemerkt, wollte aber sichergehen in Harajuku nichts zu finden das mir noch besser gefällt.
An einem anderen Tag ließen Flo und ich den Nachmittag in einem kleinen “Park” ausklingen und saßen am Rand von einem kleinen, mit Wasser gefüllten Steinbasin. Plötzlich fanden wir uns umringt von japanischen Kindern. Naja... eigentlich umringten sie nicht uns sondern eine arme Schildkröte die einer der Jungs aus dem Basin gezerrt hatte. Ich weiß ja nicht was japanische Schildkröten fressen, aber offensichtlich keine Heuschrecken. Das war den japanischen Kindern aber egal. Sie haben ihr die Heuschrecke trotzdem ins Maul gestopft. Das arme Vieh. Sie hat das Abendteuer aber überlebt (Also die Schildkröte. Die Heuschrecke nicht, die war hin.)
Japaner haben sowieso ein sehr seltsames Verhältnis zu Tieren wie ich finde. Unglaublich grausam. Seltsam wenn man bedenkt dass sie ansonsten viel eher mit ihrer Natur verbunden sind als wir Europäer. Zumindest hier in Kyoto hat man das Gefühl. Aber vielleicht gilt diese Verbundenheit nur der Landschaft und den Pflanzen. Wenn ich mal als Tier wiedergeboren werde dann bitte nicht in Japan...
Dann stand ja am 19.09 noch das Sadie-Konzert im Shibuya O-East an. Flo hat mich netterweise wieder begleitet. Kat hatte mir den Weg erklärt und ich hatte auch nochmal im Internet nachgeschaut. Wir fanden den Weg also problemlos. Trotzdem: Ich haße neue Live-Häuser. Man weiß nicht wo genau sie sind, man weiß nicht wo der Eingang ist, wo die Schließfächer, wie ist die Bühne etc.
In Osaka und Kyoto kenn ich mich aus. Sag mir welches Live-House, ich sag dir wie du dorthin kommst und wie es aufgebaut ist. Tokyo ist mir fremd...
Trotzdem hab ich es heile hineingeschafft und da ich diesmal auch an genügend 100 Yen Münzen gedacht hatte konnte ich meine Tasche loswerden.
Ich stand zum ersten mal nicht vor Aki (dem Bassisten), Mitte links, sondern ziemlich weit rechts vor Tsuki, dem zweiten Gitarristen.
Ich halte fest: Ich mag diesen Mann nicht. Ich hab’s ja immer geahnt und das Konzert hat es bestätigt. Der ist irgendwie... seltsam. Könnte aber auch daran liegen dass er aussieht wie ein Host. Wirklich. Nicht nur die Frisur auch das Outfit... Als wäre er vorher im Shibuya 109 for Men einkaufen gewesen. Pah. Und... tut mir leid aber Hosts sind mir einfach zutiefsts suspekt.
Nein, da sind mir Mitsuki und Aki lieber, ab sofort steh ich wieder links.
Das Konzert selbst war aber echt klasse. Ich mag gar nicht daran denken, dass ich sie jetzt wieder Ewigkeiten nicht live sehen kann *deprimiert*
Der Weg zurück zum Bahnhof war ein Alptraum. Für mich zumindest. Menschen ohne Ende (Shibuya halt) und jeder zweite ein was... Genau... ein Host *argh*
Irgendwann werd ich mal eine Selbstanalyse durchführen was genau mich an diesen Menschen so stört bzw. irritiert. Am meisten nervt mich allerdings meine eigene Reaktion. Normalerweise blende ich Objekte die mich stören einfach aus. Nervige Kleinkinder, kreischende Weiber, pöbelnde junge Männer. Was auch immer mich nervt wird ausgeblendet. Eine Technik die ich mittlerweile perfektioniert habe und die eigentlich IMMER funktioniert. Mit einer Ausnahme: japanische Hosts.
Frage: Warum? Mit den Hostessen hab ich kein Problem. Die blende ich aus. Ich habe in den ganzen vier Wochen keine Einzige bemerkt. Da funktioniert es also. Genauso hätte es auch mit den Hosts laufen sollen. Ich versteht mich selber nicht und vermutlich ist es das was mich so nervt. Und immer wenn ich einen sehe wird es mir bewusst und ich bin noch genervter. Teufelskreis quasi.
Tja... und dann war auch schon der 20 September und abends um 22 Uhr fuhr mein Bus vom Tokyo Hauptbahnhof ab zurück nach Hause (also Kyoto).
In weiser Voraussicht sind Flo und ich früh los, so dass wir Viertel nach Neun am Bahnhof waren. Klugerweise. Wir sind bestimmt 15 Minuten durch diverse unterirdische Gänge geflitzt bis wir endlich am richtigen Ausgang und dem richtigen Busterminal waren (es gibt zwei... -_-).
Diese Stadt ist perfekt für Vampire. Die können hier auch Tagsüber unterwegs sein. Es ist wirklich möglich vom Tokyo Hauptbahnhof nach Shibuya oder Shinjuku oder wohin auch immer zu kommen ohne an die Erdoberfläche zu müssen. Und da die meiste Bahnhofsausgänge ohnehin direkt in die diversen Kaufhäuser führen...
Am Bahnhof trafen wir dann noch einen Deutschen und Flo konnte guten Gewissens ab zurück in sein Appartement, ich hatte ja jetzt jemanden zum Unterhalten. So wurden die 20 Minuten auch nicht langweilig. Er musste allerdings nach Osaka. Ich gab ihm noch diverse Tips was man sich in Osaka so alles ansehen kann/muss/soll wenn man drei Tage Zeit hat (Osaka-Jo, die Universal-Studios, dieses gigantische Aquarium, Amerika-Mura etc.) und dann war es auch schon 21:55 und ich hüpfte in meinen Bus.
Knapp 8 Stunden später, 5:30 stand ich in Kyoto vorm Hauptbahnhof. Und es war ein tolles Gefühl. Wirklich wie nach Hause kommen. Aber Tokyo war schön, keine Frage und meine tiefe Abneigung gegen die Hauptstadt Japans hat sich auch aufgelöst, also war es wohl ein voller Erfolg.
So. Jetzt kommts: Das Erlebnis schlechthin...
Wie immer nach Tokyo war ich pleite. Mein Geld irgendwie auf mysteriöse Weise verschwunden und ich saß auf meinem Koffer vor dem Gepäckraum. Der öffnet erst um 8, ist aber billiger als die Schließfächer. Plötzlich eine Stimme. Englisch. Furchtbarer Akzent, kann nur ein Japaner sein... War auch einer. Wir waren im gleichen Bus und da er warten musste bis sein Freund ihn abholt und ich erst um 13 Uhr in mein Appartement konnte haben wir beschlossen die Zeit zusammen totzuschlagen.
Er war zum ersten mal privat in Kyoto, sonst wohl nur einmal mit der Schulklasse und das war schon etwas her. Ich hab keine Ahnung wie alt der Typ war. Bei Japanern ist das immer furchtbar schwer zu schätzen. Hyde sieht auch aus wie 18 und ist 38... aber ich tippe mal auf irgendetwas zwischen 24 und 30.
Da er sich wirklich hörbar anstrengen musste Englisch zu sprechen erbarmte ich mich nach 10 Minuten und gab zu japanisch zu können. Halbwegs wenigsten. Erleichterung auf seiner Seite.
Ich hab dann meinen Koffer doch ins Schießfach gepackt, um 6 hatte ich nämlich die Schnauze voll vom Warten...
Wir haben diverse Kaffees getrunken, ich hab ihm einen Tempel in der Nähe des Bahnhofs gezeigt, bin mit ihm zur Touristen-Info um ihm einen Stadtplan zu besorgen und all sowas. Schon mal einem Japaner Kyoto gezeigt? Als AUSLÄNDER? Das ist vielleicht ein geiles Gefühl. Und ich konnte Japanisch sprechen. Ganze 7 Stunden. Und wenn ich was nicht wusste dann eben eine Mischung aus Japanisch und Englisch, Händen und Füßen. Wir sind wirklich alle Themen durch. Musik, Kultur, Politik und Wirtschaft... Das Problem mit der Überalterung und den sinkenden Geburtenraten etc.
Wahnsinn.
Kurz vor eins hat er mich noch zu den Taxis begleitet und ist dann alleine weiter während ich mich gemütlich zum Appartement kutschieren ließ und dort, nach einem problemlosen Check-In, erstmal schlief. Laaaaange schlief. Von Montag um 13:30 bis Dienstag früh um 8. Okay ich war gegen Abend mal kurz wach, aber wirklich verdammt kurz. Ein Glück das ich mich noch aufgerafft habe nach dem Check-In schnell noch Wasser besorgen zu gehen.
Dieses gechlorte Leitungswasser in Japan ist echt nervig.
Ja. Und wie die Tage von Dienstag bis heute vergangen sind ist eine wirklich gute Frage. Ich habe keine Ahnung. Viel gemacht hab ich wie gesagt nicht. Ich war spazieren, ein bisschen Schaufenster gucken, Kaffees trinken und Essen essen dass ich in Deutschland nicht essen kann. Und ich gucke fleißig Doramas. Vor allem “Orthros no Inu” hat es mir angetan. Ich hab mir auch gleichmal das Buch gekauft. Je mehr japanisch je besser. Ich bin hochmotiviert dieses mal dranzubleiben und es nicht wieder so schlecht werden zu lassen. Selbst in diesen kurzen vier Wochen hier ist mein Japanisch besser geworden, mir ist so viel wieder eingefallen.
Ich will mal wieder nicht zurück nach Deutschland. Aber ich will auch nicht hier bleiben. Nicht alleine. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass selbst ein Mensch wie ich, der mit dem Alleinsein ja wirklich keine Probleme hat, der es sogar BRAUCHT, irgendwann sein soziales Netz benötigt. Freunde die er anrufen kann, egal um welche Uhrzeit und die auch vorbeikommen können, weil sie sich nicht auf der anderen Seite des Planeten befinden. Familie, Bekannte. Der Frisör, die Kassiererin die einen kennen weil man regelmäßig dort ist. Das soziale Umfeld einfach. Wenn ich all das hier hätte, würde ich Deutschland sofort den Rücken kehren. Wenn ich meine Familie und drei ganz bestimmte Menschen aus Berlin hierherholen könnte auch. Denn den Rest kann man sich auch hier aufbauen, das weiß ich aus Erfahrung. Die Postbeamtin die schon wissen lächelt wenn man hereinkommt, weil man alle zwei Wochen ein fünf Kilo Packet nach Deutschland schickt, die Verkäuferin beim Bäcker die überrascht ist weil man nicht das gleiche nimmt wie sonst, der Typ der regelmäßig die Nachtschichten im nächsten Conbini hat und mit einer Mischung aus Begeisterung und Entsetzen auf das neue Piercing reagiert. Nur Freunde und Familie. Das fehlt hier wirklich. Familie... Klar, das kann man hier nicht haben, aber auch Freunde stellen ein Problem dar. Einfach weil ich (und nicht nur ich) das Gefühl habe dass Japaner unter Freundschaft etwas anderes verstehen als wir. Eher etwas oberflächliches. So etwas das wir als “guten Bekannten” bezeichnen.
Ich werde jedenfalls nicht mehr alleine Urlaub hier machen. Freunde besuchen die in Tokyo oder sonst wo wohnen, sofort. Mit Freunden nach Japan fliegen, auch sofort. Aber nicht mehr alleine. Es sei denn ich studiere oder arbeite hier. Wenn man hier einen Alltag hat, der einen zwingt zumindest oberflächlich mit Menschen Kontakt zu haben, sie kennenzulernen, dann geht es (vielleicht), zumindest eine Weile.

Ich sitze also hier, auf meiner Lieblingsterasse, sehe auf den Fluss und frage mich wann ich diese Stadt wohl wiedersehe. Alles ist möglich. In einem Jahr, in sechs Monaten, in sechs oder in 10 Jahren.
Und mir blutet das Herz. Denn trotz allem... Kyoto ist meine Stadt. Die Stadt in der ich mich so zu Hause fühle wie in keiner anderen Stadt dieser Welt. Nichtmal in Berlin.
26.9.09 16:00
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Loki (28.9.09 08:55)
Himmel ist mir grad ein Stein vom Herzen gefallen. Grad gestern sag ich noch zu ♥ "Du, Sarah hat sich jetz schon zwei Wochen nich gemeldet" und musste so an...naja...meine diesjährigen "Urlaubspläne" denken. Das Coole: er meinte "Naja, vielleicht hat sie ja`n netten Japaner kennen gelernt" Und DA musstich jetz dran denken als du von dem Typen am Bhf. erzählt hast ^_^"

Ach Maus ._.
Mir liegen diverse Floskeln auf der Zunge mit denen ich allerhand Leute versuchen würde sie auf andere Gedanken zu bringen, etwas zu trösten.
Du wirst mir nicht böse sein wenn ich mir diese bei dir klemme.
Du weißt warum.
Ich würd dich gern heimsuchen, wenn du wieder hier bist...aber bitte sag mir auch wenn du erstmal deine Ruhe willst/brauchs bzw. dich erstmal mit anderen verabredest oderso!!!

Fühl dich mal ganz fest in den Arm genommen (auch wenn -oder gerade weil- diese Vorstellung eventuelle Kicherbedürfnisse ob meiner körperlichen Imposanz provozieren ^_~)

HAB DICH LIEB!

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